Fashion

Modedesigner Hussein Chalayan – der Materialfuturist

Wenn Folklore auf Avantgarde trifft, Innovation und Experiment zu Fashionkunst verschmelzen, dann ist Hussein Chalayan nicht weit. Der progressive Modeschöpfer ist spätestens seit seiner Abschlusskollektion am Central Saint Martins College als Konzeptionskünstler in Mode- und Kunstszene gleichermaßen geschätzt. Damals vergrub er seine Entwürfe unter der Erde und buddelte sie erst ein paar Tage vor der Präsentation wieder aus, um damit auf die Thematik der Vergänglichkeit hinzuweisen. Und erhielt umgehend den Absolut Design Award.  Gleich zweimal in Folge – 1999 und 2000 – wurde er mit dem Titel Designer of the Year der British Fashion Awards ausgezeichnet.

Chalayan experimentiert mit Architektur, Anthropologie und Zeitgeist und kombiniert aktuelle Gesellschaftsthemen mit seiner nach wie vor größten Leidenschaft Mode. In seinen Kollektionen verwendet er meist modernste, funktionale Materialien wie Neopren oder Ethylen-Vinylazetat-Schaum, lässt aus Kleidern Laserstrahlen hervorschießen und integriert zeitweilig sogar Motorantriebe. Hinter seinen Kollektionen steht immer ein klares Konzept, das mitunter schon einmal einen Trend auslöst. Mit seiner Spring/Summer Kollektion 2007 ebnete er den Weg für einen nie gekannten Futurismustrend. Dabei erhielten seine Kleider eine Art Eigenleben, indem beispielsweise ein zartes Chiffonkleid wie von Zauberhand unter dem Hut eines Models verschwand.

Bekanntester Coup bleibt bis heute seine Kollektion selbstleuchtender LED-Kleider (Autumn/Winter 07/08) in Kooperation mit Swarovski. Über deren Alltagstauglichkeit lässt sich mitunter streiten. Unbestritten ist jedoch, dass Chalayan der ungekrönte König der Interdisziplin ist.

Seine aktuelle Kollektion Autumn/Winter 13/14 stand ganz im Zeichen von Entkörperlichung und Metamorphose. Die Dichotomie dieser mit der Natur unweigerlich verbundenen Phänomene fügt sich ein in die Designsprache des Hauses Chalayan: Die Kollektion bedient sich vor allem aus dem Bereich der Heimtextilien (u.A. Stoffbezüge für Sofas und Kissen) und lässt sie mit Kleidern verschmelzen, die den Eindruck vermitteln, sich zu verflüchtigen – ähnlich dem Geist, der letztlich den Körper verlässt.

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